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Vor mehr als 3.000 Jahren wurde bereits auf dem
Hügel „Kuk“ östlich oberhalb der heutigen Stadt Senj eine Siedlung
gegründet. In prähistorischer Zeit befand sich unterhalb der befestigten
Siedlung ein Bach, der in eine langgezogene Bucht mündete. In dieser
befand sich eine Ankermöglichkeit und ein Handelsplatz, an dem Warentausch
zwischen den Bewohnern des Landesinneren und denen des Küstenstreifens
und der Inseln stattfand. Mit zunehmendem Wachstum des Handelsplatzes
gründeten die Bewohner der Festung schrittweise eine neue Siedlung,
die sich am Fuße dieser Festung befand. Die neugegründete Siedlung
wird erstmals im IV. Jh. v. Chr. Im „Periplus“ des griechischen
Seefahrers Pseudoskylakos unter dem Namen „Attienites“ erwähnt. |
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| Mitte
des 2. Jh. v. Chr. gelangten die Römer in dieses Gebiet und übernahmen
mit der Zeit die Kontrolle über die Stadt, die von ihnen nunmehr
„Senia“ genannt wurde. Senia wurde zum Ausgangspunkt für Kriegszüge
der Römer gegen die rebellischen Stämme der Illyrer im Hinterland.
Die Stadt wurde aber auch ausgebaut, insbesondere in der Zeit vom
1. Jh. v. Chr. Bis ins 4. Jh. n. Chr.. Während der Römerherrschaft
entwickelte sich Senia zum wichtigsten Zentrum für Handel und Kultur
dieses Küstenabschnittes der Adria. So wurde das Rathaus der Stadt,
eine Wasserleitung, Badanlagen und Tempel erbaut, die den Göttern
Diana, Magna Mater und Liber geweiht waren. Von den zahlreichen
römischen Bauten und Objekten zeugen auch heute noch archäologische
Funde von steinernen Denkmälern und Grabsteinen, Götterstatuen und
Friedhöfen, die auf dem Gebiet des heutigen Senj gefunden wurden.
Während der Völkerwanderung drangen im 5., 6. und 7. Jh. barbarische
Stämme aus dem Osten ein und setzten dem goldenen Zeitalter der
Stadt ein jähes Ende. Archäologische Forschungen ergaben die Spuren
einer solchen Aktion der Eindringlinge, welche die Stadt in Schutt
und Asche gelegt haben. Heute können wir nicht mit Sicherheit sagen,
wer diese Verwüstungen verursacht hat. Man geht davon aus, dass
es die Westgoten waren, die in der ersten Hälfte des 5. Jh. hier
weilten. Die letztendliche Zerstörung der Stadt ist wohl den Awaren
und den Slawen zuzuschreiben, die sich Anfang des 7. Jh. hier aufhielten.
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Auf den antiken Ruinen errichteten die Kroaten im Mittelalter eine
neue Stadt, die in ihrem Namen die Tradition des antiken Senia bewahrt
hat, das heutige Senj. Über die Geschichte des kroatischen Senj
in den ersten Jahrhunderten nach der Ansiedlung der Kroaten haben
wir kaum Dokumente. Das Zentrum des mittelalterlichen Kroatiens
war weiter südlich, im heutigen Dalmatien, so dass Senj seine Bedeutung
als Handels- und Verkehrszentrum verlor. Erst Mitte des 12. Jh.
wurde die Stadt wieder in den schriftlichen Quellen erwähnt. Wegen
der veränderten geopolitischen Lage wurde das Verwaltungszentrum
des Staates ins Landesinnere verlagert, und Senj gewann wieder an
Bedeutung. Im Jahre 1169 wurde das Bistum gegründet, was wiederum
von der Bedeutung der Stadt zeugte. Seit 1184 gehörte Senj dem Orden
der Tempelritter, in deren Besitz die Stadt bis in die 70-er Jahre
des 13. Jh. bleibt. Nach den Tempelrittern übernahmen die Fürsten
Frankopan von der Insel Krk die Herrschaft über die Stadt. Unter
ihnen gelangte die Stadt zu altem Glanz. Wieder blühte der Handel
auf und der Hafen von Senj gewann auch verkehrstechnisch an Bedeutung.
Der wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte den Ausbau der Stadt.
So wurden beispielsweise zahlreiche Kirchen und Klöster in der Stadt
und der Umgebung erbaut. |
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| Im Mittelalter
wurde Senj durch die glagolitische Schrift bekannt, die wohl schon
im 9. Jh. geschaffen wurde, um die Evangelisierung der Slawen zu
erleichtern. Seit dem 12. Jh. bestand die glagolitische Schrift
nur noch in Kroatien, und auf dem Senjer Gebiet war sie besonders
hoch entwickelt. Im Jahre 1248 wurde der Bischof von Senj durch
eine Entscheidung des Papstes Innozenz IV. zum einzigen Bischof
in der katholischen Welt auserkoren, der die glagolitische Schrift
und die Sprache des Volkes in der Liturgie verwenden durfte. Dies
gab der Entwicklung dieser Schrift während des 14. und 15. Jh. neue
Impulse. Davon zeugen zahlreiche glagolitische Inschriften und handgeschriebene
Bücher und Dokumente aus jener Zeit. In Senj wurde 1494 als eine
der ersten Druckereien Südosteuropas eine glagolitische Druckerei
gegründet. |
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| Mitte
des 15. Jh. kam die militärische Besatzung des ungarischen Königs
Matthias Korvin in die Stadt. Im Jahre 1469 wurde Senj zum Zentrum
einer militärischen Verwaltungseinheit, die jeweils von einem Kapitän
befehligt wurde. Dies geschah wegen der immer näher rückenden Gefahr
durch das Osmanische Reich, aber auch zum Schutz vor der expansionistischen
Politik Venedigs. Die kriegerischen Aktionen der Osmanen auf das
besagte Gebiet verstärkten sich in der ersten Hälfte des 16. Jh..
Daraufhin wurde die Gegend um Senj nahezu menschenleer und die Stadt
selbst Zufluchtsort für zahlreiche Flüchtlinge aus den bereits besetzten
Gebieten. Diese Flüchtlinge bildeten militärische Einheiten, die
unter dem Namen „Senjer Uskoken“ bekannt geworden sind. Diese verteidigten
die Stadt erfolgreich bis in die 20-er Jahre des 17. Jh. und fügten
den Armeen der Osmanen und der Venezianer beträchtliche Verluste
zu. Auf dem Hügel Trbusnjak oberhalb der Stadt wurde daher zu Verteidigungszwecken
1558 der Bau der Burg „Nehaj“, die von nun an die Uskoken beherbergte,
fertiggestellt. Das Wort „Nehaj“ bedeutet „Fürchte nicht!“.
Wegen des heldenhaften Widerstandes gegen den vielfach überlegeneren
Feind nahmen diese mutigen Kämpfer Einzug in die Legenden und Volkslieder.
Wegen der neu entstandenen politischen Lage gerieten sie in Ungnade.
Für die neue friedlichere Politik der Habsburger Monarchie gegenüber
dem Osmanischen Reich und Venedig waren die Uskoken hinderlich.
So wurden sie zwangsweise in andere kroatische Gebiete umgesiedelt.
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| Die friedlicheren
Zeiten ermöglichten die Wiederbelebung des Senjer Handels, wodurch
die Stadt wirtschaftlich profitierte und wieder aufblühte. Ganz
besonders kam dies in der zweiten Hälfte des 18. Jh. und der ersten
Hälfte des 19. Jh. zur Geltung. Dann wurden nämlich große bauliche
Veränderungen unternommen. So wurde beispielsweise die neue Josephinenstraße
gebaut, der Hafen renoviert, neue kaiserliche Warensilos gebaut,
der Bach begradigt u.ä.. Damals begann wieder ein goldenes Zeitalter
für die Stadt, die zu einem der bedeutendsten wirtschaftlichen und
kulturellen Zentren des damaligen Kroatiens wurde. Der Hafen von
Senj war von größter Bedeutung für den Staat. Über diesen Hafen
lief die Einfuhr von Salz und die Ausfuhr von Getreide und Holz.
Die Senjer Seefahrer umsegelten die ganze Welt mit ihren Schiffen
und betrieben besonders regen Handel mit den Mittelmeerländern.
In die florierende Stadt zogen Unternehmer und Arbeitskräfte. Handelsgesellschaften
und Schiffbaugesellschaften wurden gegründet, ebenso die Handels-
und Handwerkskammer. Die Kultur in der Stadt gedieh: so wurden die
Stadtkapelle, die Stadtbibliothek und andere kulturelle Einrichtungen
gegründet. Senj wurde zu einem wichtigen kulturellen Zentrum, und
seine Intellektuellen wurden zu einem bedeutenden Träger der kroatischen
nationalen Ideologie. Aus Senj stammen die berühmtesten kroatischen
Schriftsteller und Dichter jener Zeit: Silvije Strahimir Kranjcevic
(1865-1908), Vjenceslav Novak (1859-1905), Milutin Cihlar Nehajev
(1880-1931), Milan Ogrizovic (1877-1923), ... |
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| Der Ausbau
der Eisenbahnstrecke Karlovac-Rijeka, der Senj umging, hatte einen
vernichtenden Einfluss auf die Wirtschaft und den Handel in der
Stadt. Der Verkehr im Hafen ging arg zurück, und die Waren wurden
nach Trieste und Rijeka umgeleitet, die durch die Eisenbahn mit
dem Hinterland verbunden waren. Die Rolle der Stadt Senj beschränkte
sich nunmehr auf die Ausfuhr von Holz aus der Umgebung. Der Wegfall
des wirtschaftlichen Aufschwungs und der verkehrstechnischen Bedeutung
wirkten sich negativ auf alle Facetten des Lebens in der Stadt und
ihrer Umgebung aus. So kam es schon Ende des 19. Jh. zur Auslagerung
von Kapital und Bevölkerung. Dies intensivierte sich im 20. Jh.,
insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als sich zu den
wirtschaftlichen auch noch politische Gründe für das Verlassen der
Stadt gesellten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das alte Stadtzentrum
durch Bombenangriffe beträchtlich zerstört. Dabei verschwand ein
großer Teil des außerordentlich wertvollen kulturellen Erbes unwiederbringlich.
Dennoch blieben zahlreiche Denkmäler erhalten, die Senj nach wie
vor zum Anziehungspunkt für einheimische und ausländische Besucher
macht. |
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| Senj,
Kupferstich von J.W. Valvasor aus dem Jahre 1689. |
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